Die Entstehung des Blues wird in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA, genauer im Mississippidelta in den Südstaaten der USA angesiedelt.

Er hat keine direkten europäischen und afrikanischen Vorläufer. Als die aus Afrika stammenden Sklaven in die neue Welt geschleppt wurden, brachten sie auch ihre musikalische Geschichte mit. Deren Merkmale waren das starke Rhythmusgefühl und die Verwendung von Blue Notes beim Singen.

Die Blue Notes entstammen einer afrikanischen Tonleiter. Sie lassen sich nicht in unser Tonsystem einfügen und orientieren sich stark an der Naturtonreihe. Sie werden melodisch verwendet und prägen den Bluescharakter von Melodien.

Auch die Weißen hatten ihre Musik aus Europa in die USA mitgebracht: Märsche, Polkas, unterschiedlichste Volksmusik und Klassik.

Zunächst wurde den Sklaven nicht einmal das Recht auf Religion gewährt, genauer gesagt, wurde ihnen ihre eigene Religion verboten. Auch ihre Instrumente, die Trommeln wurden ihnen verboten, da damit Nachrichten übertragen werden können. Musik hatte in Afrika auch eine ganz andere Bedeutung als hier bei uns in Europa. Damit wurden Rituale durchgeführt und auch Dingen, die man anders nicht ausdrücken konnte, eine Form gegeben.

Später wurde den Sklaven gestattet, Gottesdienste zu besuchen. Sie wurden christianisiert. Bei diesen Gottesdiensten wurde viel gesungen und die Sklaven hatten wieder etwas, an das sie sich halten konnten. Aus diesen Gesängen der Gottesdienste entwickelten sich in eigenen Veranstaltungen der Schwarzen die Spirituals, in denen sie Geschichten aus der Bibel sangen.

Daneben gab es natürlich auch weltliche Gesänge. Es gab „Field Hollers", Rufe mit denen sich bei der Feldarbeit verständigt wurde, „Worksongs", die wurden bei der Arbeit gesungen und „Ballads", Geschichten, die erzählt wurden.

Daraus darf man aber nicht schließen, daß alleine daraus der Blues entstanden sei. Er enthält auch Elemente europäischer und karibischer Musik.

Dies ist historisch daher zu erklären, dass die Sklaverei in der Neuen Welt auf den karibischen Inseln, in den spanischen Kolonien ihren Anfang nahm. Auf dem nordamerikanischen Kontinent kamen Sklaven erstmals 1619 an, da ein Schiff durch einen Sturm von seinem Ziel Westindien dahin verschlagen wurde.

Die europäischen Einflüsse rühren von den weißen Herren her, die ihre Musik auch in die neue Welt mitgebracht hatten.

Der Blues entwickelte sich aus diesen verschiedenen Wurzeln zu einer eigenständigen musikalischen Form.

Im Blues wird von fiktiven oder tatsächlichen eigenen Erlebnissen erzählt. Die Texte handeln oftmals von Verrat, Verbrechen, Untreue, Resignation, unerwiderter Liebe Arbeitslosigkeit, Hunger, Not, Heimweh, Einsamkeit. Dabei handelt es sich jedoch oft um formelhafte Wendungen, die der Sänger anpasst und passend verändert.

Allerdings ist der Blues nicht vor allem traurige Musik, sondern die Mehrzahl aller Stücke ist beschwingt und tanzbar und behandelt in den Texten gleichsam negative wie positive Themen und Stimmungen.

Das Klischee vom Blues als traurige Musik schlechthin entwickelte sich in den 50er und 60er Jahren, als der Blues durch das neue weiße Publikum „wiederentdeckt" wurde, und es hängt ihm bis heute nach.

Der Begriff „Blues" entwickelte sich um 1910 zum eigenständigen Sprachgebrauch und leitet sich aus der Beschreibung „I feel blue" beziehungsweise „I´ve got the blues" ab. 1912 tauchte der Begriff zum ersten Mal als Titel eines Stückes auf, dem „Dallas Blues" von Hart Wand.

Als erste Bluesaufnahme eines schwarzen Interpreten gilt "That Thing Called Love" von Mamie Smith, die 1920 vom Okeh-Plattenlabel herausgebracht wurde.

Der Blues wurde durch den schwarzen Komponisten W. C. Handy populär, der 1912 den „Memphis Blues" und 1914 den „St. Louis Blues" veröffentlichte. Die erste populäre Blues-Gesangsaufnahme wurde ebenfalls 1920 von Mamie Smith gemacht, der „Crazy Blues".

Nach 1920 wurden so genannte „race records" speziell für die schwarze Bevölkerung produziert. Damit wurde der Blues immer erfolgreicher und beliebter.

In den 30er und 40er Jahren breitete sich der Blues zunehmend nach Norden aus, da die Schwarzen in den Norden zogen, um zu arbeiten. Und der Blues, zusammen mit den Blues-Musikern kam zunehmend unter den Einfluss städtischen Kulturlebens.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde der Blues immer populärer in den amerikanischen Großstädten. Durch den Einsatz elektrischer Verstärker veränderte sich der Blues, die elektrische Gitarre wurde zum Hauptinstrument. In Verbindung mit dem rollenden Boogie Woogie-Beat entstand der Rhythm & Blues. Die weitere Einbeziehung von Country & Western-Elementen führte zum Rock'n'Roll. In den 60er Jahren wurden immer mehr weiße Musiker auf den Blues aufmerksam und kopierten Elemente daraus für ihre Rockmusik. So entwickelten sich zum Beispiel der Rock bzw. Blues-Rock aus dem Blues.